Deepfake und künstliche Intelligenz: Die neuen Betrugsmaschen in der Schweiz
Künstliche Intelligenz im Dienst der Betrüger
Künstliche Intelligenz (KI) hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht. Leider nutzen Betrüger sie jetzt, um ihre Maschen noch überzeugender zu gestalten. Der Begriff «Deepfake» bezeichnet Bilder, Videos oder Audioaufnahmen, die von KI erstellt oder verändert wurden, um echt zu wirken.
In der Schweiz hat das Nationale Zentrum für Cybersicherheit (NCSC) begonnen, Meldungen über Betrug mit geklonten Stimmen und gefälschten Videos zu erhalten. Diese Bedrohung ist noch neu, entwickelt sich aber rasch.
Was ist ein Deepfake?
Ein Deepfake liegt vor, wenn ein Computer jemanden sehr realistisch nachahmt:
- Geklonte Stimme** — Die KI kann die Stimme einer Person aus wenigen Sekunden Aufnahme nachbilden (gefunden zum Beispiel in sozialen Medien)
- Gefälschtes Video** — Die KI kann ein Video erstellen, in dem eine Person Dinge sagt, die sie nie gesagt hat
- Gefälschtes Foto** — Die KI kann realistische Fotos von Personen erzeugen, die gar nicht existieren
Deepfake-Betrugsmaschen, die es bereits gibt
Der Anruf vom «Enkel» mit seiner echten Stimme
Den Enkeltrick gibt es schon lange, aber KI macht ihn viel gefährlicher. Betrüger können jetzt eine Aufnahme der Stimme Ihres Enkels — von Instagram, TikTok oder Facebook — verwenden, um Sie mit einer Stimme anzurufen, die genau wie seine klingt. «Omi, ich bin's, ich brauche Hilfe!»
Das gefälschte Video des Bankberaters
Sie erhalten einen Videoanruf von Ihrem «Bankberater», der Sie bittet, eine dringende Transaktion zu bestätigen. Gesicht und Stimme wirken echt, aber es ist ein Deepfake.
Die E-Mail vom Chef (CEO-Betrug)
In Unternehmen wird KI eingesetzt, um die Stimme des Direktors zu imitieren und dringende Überweisungen anzuordnen. Diese Technik hat weltweit bereits Verluste in Millionenhöhe verursacht.
Gefälschte Video-Testimonials
Videos zeigen angebliche Schweizer Prominente (TV-Moderatoren, Politiker), die wundersame Krypto-Investitionen oder «revolutionäre» Gesundheitsprodukte anpreisen.
Wie erkennen Sie einen Deepfake?
Es wird immer schwieriger, aber hier sind Hinweise:
- Der Kontext ist verdächtig** — Ihr Verwandter ruft von einer unbekannten Nummer an und bittet dringend um Geld
- Kleine visuelle Details** — In Videos: Achten Sie auf die Augen (unregelmässiges Blinzeln), Gesichtsränder (unscharf), Hände (oft schlecht nachgebildet)
- Die Stimme klingt leicht roboterhaft** — Ungewöhnliche Pausen, ein etwas flacher Ton, Betonungen, die nicht ganz natürlich klingen
- Die Person weicht präzisen Fragen aus** — Ein Audio-Deepfake kann nicht über persönliche Erinnerungen improvisieren
- Die Verbindungsqualität** — Betrüger werden eine «schlechte Verbindung» vorschieben, um Unvollkommenheiten zu rechtfertigen
Wie schützen Sie sich Schritt für Schritt?
- Vereinbaren Sie ein Familien-Passwort** — Ein geheimes Wort oder einen Satz, den nur echte Familienmitglieder kennen. Wenn jemand dringend anruft, fragen Sie nach dem Passwort
- Überprüfen Sie über einen anderen Kanal** — Wenn Ihr Enkel von einer neuen Nummer anruft, legen Sie auf und rufen Sie ihn unter seiner gewohnten Nummer zurück oder senden Sie eine SMS
- Misstrauen Sie dringenden Geldforderungen** — Egal wie gut die Stimme klingt: Senden Sie nie in Eile Geld
- Begrenzen Sie Ihre Online-Veröffentlichungen** — Je weniger Zugang Betrüger zu Ihrer Stimme und Ihren Fotos haben, desto schwieriger ist es, einen Deepfake zu erstellen
- Vertrauen Sie keinen Videos** von Prominenten, die Investitionen oder Produkte bewerben — Überprüfen Sie immer auf der offiziellen Website der Person
Was die Schweiz unternimmt
Die Schweiz nimmt diese Bedrohung ernst:
- Das **NCSC** überwacht aktiv neue Formen von KI-gestützten Cyberbedrohungen
- Die **Bundespolizei (fedpol)** arbeitet mit Europol bei Deepfake-Betrug zusammen
- Das **Parlament** diskutiert eine Verschärfung des Rechtsrahmens gegen den böswilligen Einsatz von KI
Nützliche Nummern in der Schweiz
- Polizei**: 117
- NCSC** (Cyberbetrug melden): www.ncsc.admin.ch
- Pro Senectute**: 0848 000 800
- Schweizerische Kriminalprävention**: www.skppsc.ch
**Der wichtigste Rat:** Die Technologie entwickelt sich weiter, aber der beste Schutz bleibt der gesunde Menschenverstand. Wenn jemand dringend Geld von Ihnen verlangt — auch mit einer vertrauten Stimme — legen Sie auf und überprüfen Sie es auf einem anderen Weg. Ein echter Angehöriger wird immer verstehen, dass Sie sich Zeit zum Überprüfen nehmen.