Enkeltrick: Wenn sich Betrüger als Ihre Angehörigen ausgeben

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Was ist der Enkeltrick?

Der Enkeltrick — auch «Neffentrick» genannt — ist eine der verbreitetsten und einträglichsten Betrugsmaschen in der Schweiz. Laut der Schweizerischen Kriminalprävention (SKP) verursacht dieser Betrug jährlich Verluste von mehreren Millionen Franken und trifft hauptsächlich Personen über 65 Jahre.

Das Prinzip ist einfach, aber erschreckend wirksam: Ein Betrüger ruft Sie an, gibt sich als naher Verwandter aus — Enkel, Neffe, Nichte — und bittet dringend um finanzielle Hilfe.

Wie läuft der Betrug ab?

Phase 1: Der erste Anruf

Ihr Telefon klingelt. Eine Stimme sagt: «Hallo, ich bin's, erkennst du mich?» Der Betrüger nennt absichtlich keinen Namen. Er wartet, bis Sie einen Vornamen vorschlagen: «Bist du's, Thomas?» Und er antwortet sofort: «Ja, Thomas!»

Phase 2: Die dringende Geschichte

«Thomas» erklärt, dass er ein schwerwiegendes und dringendes Problem hat: - Einen Autounfall, bei dem die Reparaturen sofort bezahlt werden müssen - Er ist im Ausland und wurde bestohlen - Er muss eine Kaution zahlen, um aus dem Gefängnis zu kommen - Eine einmalige Kaufgelegenheit, die in einer Stunde abläuft

Phase 3: Die Geldforderung

Der Betrüger bittet Sie, eine grosse Summe Bargeld abzuheben — oft zwischen 5'000 und 50'000 CHF — und es einem «Freund» oder «Kurier» zu übergeben, der es bei Ihnen abholt. Er besteht darauf, dass Sie niemandem davon erzählen.

Phase 4: Die Abholung

Ein Komplize erscheint an Ihrer Haustür und holt das Geld ab. Einmal übergeben, ist das Geld für immer verschwunden.

Moderne Varianten

Betrüger passen sich ständig an. Hier sind aktuelle Varianten in der Schweiz:

  • Der WhatsApp-Anruf** — Eine Nachricht «Mama, ich habe eine neue Nummer», gefolgt von einer Überweisungsanfrage
  • Der falsche Anwalt** — Nach dem Anruf des «Enkels» ruft ein angeblicher Anwalt an, um Zahlungsanweisungen zu geben
  • Der falsche Arzt** — «Ihr Enkel hatte einen schweren Unfall, die Operation muss bezahlt werden»
  • Die dringende SMS** — «Papa, ich stecke in Schwierigkeiten, schick mir Geld auf dieses Konto»

Wie erkennen Sie diesen Betrug?

Hier sind die untrüglichen Zeichen:

  • Die Person nennt ihren Namen nicht** — Sie wartet, bis Sie ihn erraten
  • Sie verlangt dringend Geld** — Zeitdruck ist das wichtigste Werkzeug der Betrüger
  • Sie verlangt Geheimhaltung** — «Sag nichts dem Papa» oder «Das bleibt unter uns»
  • Sie kann nicht selbst kommen** — Es gibt immer eine Ausrede, jemand anderen zu schicken
  • Die Stimme klingt anders** — «Ich bin erkältet» oder «Das Netz ist schlecht»

Wie reagieren Sie Schritt für Schritt?

  • Nennen Sie nie Ihren Namen oder den Ihrer Angehörigen** — Wenn jemand sagt «Ich bin's», fragen Sie: «Wer genau?»
  • Stellen Sie eine persönliche Frage** — Etwas, das nur Ihr echter Verwandter wissen kann: «Wie heisst dein Hund?» oder «Wo waren wir letzten Sommer?»
  • Legen Sie auf und rufen Sie zurück** — Unter der gewohnten Nummer Ihres Verwandten
  • Übergeben Sie nie Bargeld** an jemanden, der bei Ihnen klingelt
  • Sprechen Sie mit jemandem** — Nachbar, Freund, Familienmitglied
  • Rufen Sie die Polizei** unter 117 an, wenn Sie den geringsten Zweifel haben

Wenn Sie bereits Geld übergeben haben

Machen Sie sich keine Vorwürfe. Betrüger sind professionelle Manipulatoren mit erprobten Techniken. Das müssen Sie tun:

  • Rufen Sie sofort die Polizei** unter 117 an
  • Notieren Sie alles** — Beschreibung der Person, angezeigte Telefonnummer, Uhrzeit des Anrufs
  • Kontaktieren Sie Ihre Bank**, falls eine Überweisung getätigt wurde
  • Sprechen Sie mit einem Angehörigen** — Sie sind nicht allein

Wie schützen Sie Ihre Familie?

  • Vereinbaren Sie ein Familien-Passwort** — Ein Geheimwort, das nur echte Familienmitglieder kennen
  • Lassen Sie Ihren Eintrag im Telefonbuch anpassen** — Keine vollständige Adresse angeben
  • Sprechen Sie über diesen Betrug** mit Ihren Eltern und Grosseltern — Prävention ist der beste Schutz

Nützliche Nummern in der Schweiz

  • Polizei**: 117
  • Pro Senectute** (Seniorenhilfe): 0848 000 800
  • Schweizerische Kriminalprävention**: www.skppsc.ch
  • NCSC**: www.ncsc.admin.ch
**Merken Sie sich:** Ein echter Verwandter wird Sie niemals bitten, dringend Bargeld abzuheben und einem Fremden zu übergeben. Im Zweifel: Auflegen und unter der gewohnten Nummer zurückrufen.

Wurden Sie Opfer?

Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei und beim Nationalen Betrugszenturm.

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