Ricardo/Tutti-Betrug: Wie Betrüger Ihr Twint in 10 Minuten leeren
Der Ricardo/Twint-Betrug 2026: was sich ändert
Seit Ende 2025 erhält das Nationale Zentrum für Cybersicherheit (NCSC) wöchentlich Meldungen über eine neue Betrugswelle, die private Verkäufer auf Ricardo, Tutti und Facebook Marketplace ins Visier nimmt. Das Ziel: Twint- und E-Banking-Zugangsdaten.
Das Vorgehen ist ausgefeilt: Die Betrüger fordern nicht mehr nur Vorauszahlungen. Sie inszenieren eine komplette Täuschung — echte Ricardo-E-Mails, gefälschte E-Mails parallel, gefälschte E-Banking-Seite, falscher WhatsApp-Berater. In 10 bis 20 Minuten kann Ihr Twint-Konto vollständig geleert werden.
Die ersten Opfer? Personen, die zum ersten Mal ein Inserat schalten und wenig vertraut sind mit dem offiziellen Prozess der Plattform.
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Das Vorgehen in 5 Schritten
Schritt 1 — Schnelle Antwort auf Ihr Inserat
Sie schalten ein Inserat auf Ricardo oder Tutti (Velo, Haushaltsgerät, Möbel). Innerhalb weniger Stunden kontaktiert Sie ein potenzieller Käufer — oft auf Deutsch oder Englisch, mit glaubwürdigem germanischem Namen. Er bietet den geforderten Preis ohne Verhandlung, will per Twint zahlen und « die Abholung schnell vereinbaren ».
Schritt 2 — Das echte Ricardo-E-Mail kommt an
Sie erhalten ein echtes Ricardo-Benachrichtigungs-E-Mail, das eine Transaktion bestätigt. Absender, Logo, Layout: Alles ist authentisch. Das macht den Betrug glaubhaft.
Schritt 3 — Das gefälschte « Zahlungs-Verifizierungs »-E-Mail
Wenige Minuten später kommt ein zweites E-Mail. Es imitiert Ricardo perfekt (Logo, Corporate Design, Unterschrift), aber der Absender ist leicht anders (z. B. `noreply@ricardo-payments.ch` statt `noreply@ricardo.ch`). Die Nachricht lautet:
« Ihr Käufer hat bezahlt. Um die Mittel auf Ihrem Twint freizugeben, klicken Sie hier und verifizieren Sie sich bei Ihrer Bank. »
Schritt 4 — Das « offizielle » WhatsApp
Parallel erhalten Sie eine WhatsApp-Nachricht von einer Nummer, die sich als Ricardo-Berater oder Zahlungsdienst ausgibt. Sie wird Sie Schritt für Schritt führen, beruhigen, Druck ausüben: « Sie haben 30 Minuten, bevor die Mittel zurückgebucht werden. »
Schritt 5 — Die Phishing-E-Banking-Seite
Sie klicken auf den Link. Sie landen auf einer Seite, die exakt aussieht wie Ihr E-Banking (UBS, Raiffeisen, PostFinance, ZKB...). Sie geben Ihre Zugangsdaten ein. Sie bestätigen mit Ihrem Twint-Code. Sie bestätigen auf Ihrer mobilen App.
Tatsächlich haben Sie soeben eine Überweisung von Ihrem Konto auf das des Betrügers autorisiert. Ihr Twint ist innert Minuten leer.
4 Warnzeichen, die Sie alarmieren sollten
Warnzeichen 1 — Käufer zu schnell, zu eilig Ein echter Käufer verhandelt, stellt Fragen zum Zustand, fordert zusätzliche Fotos. Ein Betrüger akzeptiert den Preis ohne Zögern und will « schnell abwickeln ».
Warnzeichen 2 — Kommunikation läuft über WhatsApp Ricardo kontaktiert seine Nutzer NIE per WhatsApp. Alle offiziellen Kommunikationen laufen über das interne Postfach der Plattform oder per E-Mail von `@ricardo.ch`.
Warnzeichen 3 — Aufforderung zur « Verifizierung » über einen externen Link Keine legitime Plattform fordert Sie auf, « Mittel freizugeben », indem Sie Ihre E-Banking-Zugangsdaten auf einer externen Seite eingeben. Twint funktioniert direkt zwischen Konten — es gibt nichts zu « entsperren ».
Warnzeichen 4 — Verdächtige URL Die URL beginnt nicht mit `https://www.ricardo.ch/` sondern z. B. mit `ricardo-payments-ch.com` oder `securepay-ricardo.ch`. Immer die genaue Adresse prüfen, bevor Sie etwas eingeben.
Was tun, wenn Sie Ihre Zugangsdaten eingegeben haben?
Jede Minute zählt:
- Rufen Sie sofort Ihre Bank an (24-h-Notfallnummer auf der Rückseite Ihrer Karte), um Konto und Twint zu sperren
- Ändern Sie alle Passwörter von einem anderen Gerät aus: E-Banking, E-Mail, Ricardo, Tutti
- Aktivieren Sie die Zweifaktor-Authentifizierung (2FA) auf allen Ihren Konten
- Rufen Sie die Polizei 117 an, um Anzeige zu erstatten
- Melden Sie dem NCSC auf report.ncsc.admin.ch
- Bewahren Sie Beweise auf: E-Mails, WhatsApp-Screenshots, besuchte URLs
Je schneller Sie handeln — idealerweise in den ersten 30 Minuten —, desto höher die Chance, dass die Bank die Überweisung blockiert, bevor sie ins Ausland weitertransferiert wird.
Wie sicher verkaufen auf Ricardo/Tutti
Vor dem Schalten eines Inserats: - Aktivieren Sie die Zweifaktor-Authentifizierung (2FA) auf Ihrem Plattform-Konto - Geben Sie Ihre private Telefonnummer nicht offen im Inserat an
Während des Verkaufs: - Bleiben Sie im internen Postfach von Ricardo/Tutti — verweigern Sie jeden Wechsel zu WhatsApp - Prüfen Sie systematisch jede empfangene E-Mail: genauer Absender, URL der Links (Maus darüber bewegen, ohne zu klicken) - Im Zweifel melden Sie sich direkt bei Ihrem Ricardo-Konto über die offizielle App oder durch manuelles Tippen von `www.ricardo.ch` an — niemals über einen E-Mail-Link
Bei der Zahlung: - Bevorzugen Sie die Bezahlung Hand in Hand (Velo, Möbel) mit visueller Kontrolle auf der Twint-App des Empfängers - Bei Twint online prüfen Sie selber auf Ihrer Twint-App, dass das Geld eingegangen ist — vertrauen Sie keiner externen Bestätigungs-E-Mail
Wichtig: Kein Ricardo-, Tutti-, Twint- oder E-Banking-Dienst wird Sie je nach Ihren Codes per WhatsApp, SMS oder E-Mail fragen. Wenn jemand das tut, ist es ein Betrüger — auch wenn die Nachricht offiziell aussieht.
Wenn Sie Käufer sind, gibt es auch den umgekehrten Betrug
Die Betrüger schalten auch gefälschte Inserate (oft zu sehr attraktivem Preis) und fordern eine Vorauszahlung via Twint vor der Lieferung. Das Produkt kommt nie an.
Goldene Regeln für Käufer: - Den Artikel sehen und prüfen vor der Zahlung (bei lokalen Transaktionen) - Bezahlen Sie per Twint nur an Personen, die Sie persönlich kennen - Vorsicht bei deutlich unter Marktpreis liegenden Angeboten (-40 % und mehr) - Verkäuferprofil prüfen: Kontoalter, Bewertungen, schlüssige Fotos